Bodybuilding

Klassifikation | Classification:

Autor(en) | Author(s): 
Fietzek, Frank
Werk-URL | Work URL: 

Installation

Jahr der Erstveröffentlichung | Year of original publication: 
1998
Autoren-Webseite(n) | Author's website(s): 
Screenshots: 
Deutsche Beschreibung | German description: 

Fietzeks Installation aus dem Jahre 1998/99  trägt die Körperlichkeit bereits im Titel. [Die Installation wurde seit 1994 in verschiedenen Varianten entwickelt, zunächst als eine Arbeit an Bildern, später dann durch die Verarbeitung von Textfragmenten, als Bodybuilding erstmals 1997, 1998/99 entstand die zweite Version, die hier besprochen wird. In den Jahren 2000 und 2004 war sie auch Bestandteil der p0es1s-Ausstellungen in Kassel und Berlin]. Der Benutzer betätigt sich hier an einer Kraftmaschine. Bewegt er die Gewichte, so ändert sich abhängig davon die auf dem Bildschirm vor ihm dargestellte Schrift. Es handelt sich dabei um Textfragmente erotischen Gehalts. Der Benutzer muss die Bewegung mehrfach ausführen, damit ein Text vollständig gelesen werden kann. Ist dieser Prozess durchgeführt, wählt der Rechner aus einer Datenbank per Zufallsoperation – hier läge eine Verbindung zu Bill Seamans The Exquisite Mechanism of Shivers – eine neue Passage aus.
Die Textfragmente der zweiten Version von Bodybuilding verwenden alle die Ich-Du-Form, suggerieren also – ähnlich wie bei Luc Courchesnes Portrait One – eine Dialogsituation. Sie erinnern als Bildschirmtexte in ihrer Kürze am ehesten an einen Chat. Einige Beispiele:
„Sind deine Beine weit gespreizt? * Ich habe nie behauptet, dass es mich nicht erregt. * Heute üben wir, wie du mich nimmst, ohne zu kommen.“
Ich habe hier – anders als es dem Benutzer möglich ist – bewusst Passagen ausgewählt, an denen ihre ambivalente Semantik recht deutlich wird: Sie passen sowohl auf eine fiktive erotische Situation als auch auf die Betätigung in der Computer-Kraftmaschine, lassen sich also auch wie deren Kommentar zu den Anstrengungen des Benutzers lesen. Dieser ironische Bruch wiederholt sich in verschiedenen Dimensionen der Installation, die sich jeweils als diabolische Behandlung der Differenz von Materialität und Semantik verstehen lassen – bezogen auf die ‚Hardware‘ der Schrift, der Geräte, des Körpers und die Software der Konnotationen, der Rechner- und der Bewusstseinsprozesse.
Dazu ist die Schnittstelle des Bodybuilding-Geräts gut gewählt. Denn es verweist auf den besonders auch in der Techno-Kultur verbreiteten Massenkult des Körpers als Konsum- und Stylingobjekt, als Instrument einer symbolischen und dabei meist erotischen Selbstinszenierung. Paradoxerweise dient der Körper auch hier in der Installation, und zwar unter ganzem Einsatz, dem imaginären Zugang zur sprachlich vermittelten Welt der Erotik, in der er zugleich Thema ist. Doch anders als bei einer nicht erst mit den Audiovisionen angeregten empathischen Rezeption […] verhindert die Verbindung des Körpers mit der Maschine nun gerade eine unproblematische „imaginativ-emotionale Körperselbsterfahrung“: Die Hände müssen bei der Lektüre sozusagen immer über der Bettdecke oder dem Kleid, nämlich am Gerät bleiben.

Quelle: Friedrich W. Block: p0es1s. Rückblick auf die digitale Poesie. Klagenfurt, Graz: Ritter, 2015, S. 97-99.

Autor der deutschen Beschreibung | Author of German description : 
Friedrich W. Block
Englische Beschreibung | English description: 

Bodybuilding is an interactive installation which ironically stages the relation between the body, technology, and language. The user is active in a bodybuilding machine. Moving the weights, he or she affects the text movement on the screen in front of him or her. The text consists of erotic fragments stored in a database and selected randomly according to the user’s action. Here, the body, being a consuming and styling object of the Techno-culture, serves—paradoxically in full action—for the imaginative access to the verbally mediated erotic world, where the body simultaneously is a central theme. However, during the reading process, the user’s hands have to remain above the blankets—i.e., on the machine. Beyond, the textual dialog simultaneously functions as a commentary on the user’s situation in the machine.

Source: p0es1s exhibition catalog record, 2004